Deutsche Edelstahlwerke holen Ausbildung zurück: Aus dem einst insolventen Bildungswerk Witten-Hattingen, das 2005 als Ausbildungszentrum Ruhr weitergeführt wurde, wird jetzt die „Karriere-Werkstatt GmbH“
Die Deutschen Edelstahlwerke, mit 1700 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber Wittens, wollen bald wieder selbst ausbilden. Sie stehen vor der Übernahme des überbetrieblichen Ausbildungszentrums Ruhr (AZR), das 2005 aus der Insolvenz des Bildungswerks Witten-Hattingen (BWH) hervorging. Für den geschäftsführenden AZR-Gesellschafter Steinmetz bahnt sich ein Millionen-Deal an.
Nach Informationen unserer Zeitung ist von einem Kaufpreis von drei Millionen Euro die Rede. Dies wollte Rolf Steinmetz am Freitag nicht bestätigen. „Ich weiß nicht, woher diese Zahl stammt“, sagt er. Der genannte Preis sei falsch, erklärte Peter Schweda, Arbeitsdirektor der Deutschen Edelstahlwerke. Die genaue Summe wollte er nicht nennen. Richtig sein, dass es sich um einen Millionenbetrag handelt.
Der Verkauf könnte für den ehemaligen Stahlmanager Steinmetz, der 2004 als zweiter Geschäftsführer des bereits kriselnden BWH bestellt wurde, ein gutes Geschäft werden. „Er hat das irgendwann für ’ne kleine Mark aus dem Konkurs gekauft“, sagt ein Eingeweihter. Nach der BWH-Pleite gründete Steinmetz in der ehemaligen Lehrwerkstatt von Edelstahl Witten-Krefeld das Ausbildungszentrum AZR. Er hatte sich gegen die von der Hattinger IG Metall favorisierte Lösung durchgesetzt, die IQ Ruhr in Hattingen.
In Witten hat sich das AZR, mit den Edelstahlwerken im Rücken, seitdem zur wichtigen Ausbildungsstätte gemausert. Rund 230 Azubis aus über 40 Unternehmen der Region werden in allen gängigen Metall- und Elektroberufen qualifiziert, auch kaufmännisch.
Die Edelstahlwerke hatten ihre Ausbildung 1994 ausgegliedert und ins BHW verlagert. Aktuell stellen sie mit 60 Azubis die weitaus meisten Lehrlinge. Ihr Anteil soll sich nach der Übernahme auf 100 erhöhen. „Wir wollen die Ausbildung wieder selbst bestreiten und den jungen Leuten gleich ein Heimatgefühl geben“, sagt Arbeitsdirektor Peter Schweda. Er betont: „Allen Kunden in Witten und Umgebung stehen wir weiter als Partner zur Verfügung.“
Die Edelstahlwerke werden aber nicht das ganze Zentrum übernehmen, „wir wollen nur die Ausbildung haben“, so Schweda. Dazu gehören Gebäude, Grundstück und Anlagen. Wenn der Vertrag in trockenen Tüchern ist, soll das Kind auch einen neuen Namen bekommen: „Karrierewerkstatt GmbH.“
An einen Ausbau ist vorerst nicht gedacht. Mit 6000 qm stehen ausreichende Räumlichkeiten, Reserven inklusive, zur Verfügung. Die Edelstahlwerke in Siegen und Hagen behalten ihre eigenen Ausbildungskapazitäten. Nur die Ausbildung am Standort Krefeld, die an Thyssen vergeben wurde, wird zur Konzernmutter Schmolz und Bickenbach nach Düsseldorf verlagert. ↑ |